Die Abfahrt von Bischkek ist seltsam, was auch am Wodka liegen kann. Jedenfalls schlägt mir der Lärm der Stadt gleich nach den ersten Metern auf den Magen.
Im Youth-Hostel habe ich mich sehr wohl gefühlt. Die Stimmung war prickelnd. So viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern. Erfahrungen werden ausgetauscht, Karten gewälzt, Mut gemacht, geprahlt. Das alles zu einem fairen Preis von 250 SOM.
Die Straße nach Tokmok wird mit jedem Meter ernüchternder. Der Verkehr ist konstant laut, der Straßenzustand bis weit hinter Bischkek schlecht.
Kurz nach Tokmok treffe ich drei Radler aus München, die auf dem Weg vom Issy Kul See sind. Da es schon dunkel wird bleibt nur Zeit für kurze Worte und ein schnelles Gruppenfoto. Minuten später stelle ich mein Zelt in der Nähe von einem kleinen Motel auf. Es ist schwül-warm und die Moskitos fressen mich - trotz Autandusche - auf.
Der Besitzer des Motels ist höflich. Ich übernachte mit direktem Blick auf das Grenzgebirge zu Karsachstan. Dahinter lieg das weite Land. Wie romantisch!
Sehr romantisch, wenn da nicht dieser Hund wäre, der die ganze Nacht (!) bellend um mein Zelt rennt. Um kurz nach drei Uhr reißen meine Nerven und ich vertreibe den Hund mit hellem Scheinwerferlicht und gezielten Steinwürfen. Er rennt zwar weg, bellt aber in der Ferne ungebremst weiter. Unglaublich, welche Ausdauer diese Tiere im nerven haben.
Dieses Spiel wiederholt sich noch zweimal, bis irgendwan für eine Stunde Ruhe herrscht. Um 6 Uhr geht`s wieder weiter und ich beschließe, schnell das Zelt abzubauen und weiter zu fahren.
Beim Abbau sehe ich drei kleinen Welpen, die es ihrer Mutter gleich tun und mich ankläffen. Jetzt verstehe ich und reise besonnen und hundemüde weiter.
Nach Kemin beginnen die Berge, die sich schon seit Bischkek durch das beeindruckende Panorama ankündigen. Die Straße wird steiler, die Temperatur nimmt zu und ich mache Rast auf einem kleinen Rastplatz mit hunderten von Buden. Überall winkt und schreit es in meine Richtung. Bei der letzten Bude mache ich Halt und fülle Wasser nach. Kaum abgefüllt, spricht mich eine Kirgisin an, die Deutsch kann.
Sie wird ab September für ein Jahr in Deutschland eine Ausbildung zur Cardiologin machen (1 Monat Sprachkurs in FFM, dann in Marburg). Wer Interesse an Deutsch-Kirgisischem/Russsischem Austausch hat: ich kann gerne Kontakt herstellen.
Kurz darauf verlasse ich die Hauptstraße und biege auf die wesentlich ruhigere Nebestrecke Richtung Orto-Toky ab. Dort gibt es kurz nach dem Anstieg einen hübschen, wilde Zeltplatz, der mir etwas Ruhe zum Besinnen und Essen bietet.
Offenbar fahren die Kirgisen gerne bei Nacht und so wird auch diese Nacht unruhig. Mähdrescher und LKW quälen sich die Höhe hoch und rütteln mich wach.
Ab dann geht es stets bergauf. Die Höhenmeter fühlen sich trotz Training mit den Walisern neu an. Dazu Hitze, trockener Sand um mich herum und das gleichmäßige Rattern vom ersten Gang. Ein Zustand, der die nächsten Tage normal sein wird.
Wie aus dem Nichts schießen plötzlich chinesische Riesentrucks an mir vorbei - obwohl die Straße eigentlich für sie gesperrt ist. Mein erster Kontakt mit den Chinesen ist daher ziemlich ruppig. Sie fahren immer in zweier Teams. Höre ich den ersten, mache ich daher Halt oder fahre rechts ran. Zeit, mich an die neuen Schriftzeichen auf den Trucks zu gewöhnen.
Der Zustand der Straße ist bis auf ein paar Felsbrocken und Löcher recht gut und ich erreiche glücklich meinen ersten 2000er Pass. Empfangen werde ich dort von zwei kirgisischen Frauen und einem wild gewordenen Hund, der mir zähnefletschend nachstellt.
Nach der langen Auffahrt ist mir nach etwas Abwechslung, Spiel und Spaß. Ich steige daher brüllend vom Rad und jage ihn mit lachendem Gebrüll und Trinkflasche in der Hand binnen Sekunden auf den nächsten Hügel. Die Frauen feuern mich an und lachen sich schepp.
Es macht echt Spaß, den ganzen Hundestress loszuwerden und ich fahre kurz darauf (wirklich) gut gelaunt und etwas erleichtert weiter. Die Absteigen-Taktik funktioniert wirklich gut.
Die Abfahrt ist rasant und das plötzliche Auftauchen des Sees mehr als beeindruckend. Als ich um die Ecke biege, breitet sich vor mir eine grüne Oase aus, wie ich es noch nie gesehen habe (siehe Foto). Unter den Bäumen mache ich im duftenden Gras Rast und hole Schlaf nach.
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