Ohne Frühstück geht's direkt in die ersten Steigungen. Den Kaffee des Platzwartes habe ich dankend abgelehnt.
Die Beine sind topfit - kein Vergleich zu Tschechien vor ein paar Wochen! Der Puls steht dennoch konstant bei 160.
Jedoch wird das Auf und Ab durch zahlreiche Hundeattacken äußerst belastend. Gleich zu Beginn werde ich von drei Hunden dermaßen intensiv umzingelt und akkustisch belästigt, dass der Tag schon wieder gelaufen ist. Zum Glück ist der eine hinter einem Zaun, sodass ich ich mir einen Fluchtweg schaffen kann.
Die beiden anderen verlieren das Interesse erst, als ich schnaufend hinter der nächsten Kurve verschwinde. Toll dass diese Attacken meist am Anstieg kommen, wenn man gerade etwas an Fahrt gewonnen hat. So darf man die Steigung dann schieben, was ungleich anstrengender ist.
Die schöne Landschaft gerät durch diese sinnlosen Aktionen dieser Tiere oft völlig ins Hintertreffen.
Ich kann machen was ich will: die Angst fährt ständig mit. Vor allen wenn Häuser auftauchen sondieren meine Sinne sofort die Umgebung: Hinter welcher Hofeinfahrt lauert wieder einer und schießt zu mir über die Straße? Wann ist da wieder dieses furchtbare Trappeln der Hundezehen auf dem Asphalt - bald gefolgt vom grunzenden Knurren und Bellen? Und wie reagiere ich beim nächsten Mal? (Von den Hundebesitzern erwarte ich keine Hilfe. Bis jetzt habe sie sich einen feuchten Kehricht um ihre Hunde gekümmert.)
Dazu der Verkehr, Sonne, schlechte Straßen, spielende Kinder auf der Fahrbahn. Zuviel, um mich auf den runden Tritt und das Radln zu konzentrieren.
Auf einem Gipfel mache ich Rast an einer kleinen Wallfahrtskirche, lasse die Beine auf der Treppe baumeln und blicke direkt ins tiefgrüne Tal. Vor mir faltet sich sanft das Tatra-Gebirge auf: Vorne kleinere Hügel, dahinter größere und dann die höchsten Gipfel.
Bei manchen Streckenabschnitten muss ich wieder schieben. Der Weg gleicht dann eher einer Geröll-Lawine, als einem Weg.
In Sucha Beskidzka kaufe ich ein und mache mich auf die Suche nach dem "irgendwo hier sein müssenden" Zeltplatz. Auf der Karte ist er deutlich eingezeichnet - in natura jedoch erst nach einem kleinen Abstieg runter zum Fluss sichtbar. Es ist kein richtiger CPlatz sondern nur eine Wiese mit Holzhütten drum herum. Da weit und breit keine Menschenseele zu sehen ist, baue ich mein Zelt einfach an einem schönen Plätzchen am rauschenden Fluss auf.
Rondolf habe ich oben an der Straße abgeschlossen. So ganz wohl ist mir dabei jedoch nicht. Der Ort wird mir mit jeder Stunde unheimlicher und ich fühle mich bei meiner Aktion seltsam beobachtet - dabei scheint sich wirklich niemand für mich zu interessieren. Dennoch hole ich ihn später runter ans Zelt.
Der Bach ist ein toller Kühlschrank für meine warmen Getränke. Nach kurzem Überlegen fülle ich auch meinen Wasservorrat wieder auf. Erster Einsatz von meinem Wasserfilter!
So richtige Naturverbundenheit mag trotz allem nicht aufkommen. Außer von Zecken, der gemeinen Stechmücke und wahnsinnig schlag-resistenten Spinnentierchen mit Flügeln habe ich keine Gesellschaft. Diese Spinnentiere habe ich vorher noch nie gesehen, jetzt krabbeln sie an allen erdenklichen Stellen an meinem Körper und im Haar herum. Mann muss sie wirklich mit dem Finger einzeln zerreiben. Ein Schlag oder einfaches Drücken mit dem Finger lässt sie völlig unbeeindruckt.
Einziger emotionaler Impuls: Ich freue mich, wenn die Morgensonne wieder aufgeht.
Leider geht die Morgensonne erst um 12 Uhr mitrags auf, als ich mir auf einer Tankstelle in Stryszawa mein Mittagessen gönne: warme (!) Kürbisbrötchen und Weichkäse mit schwarzem Pfeffer. Als Nachtisch: Krebbel (Krapfen, Berliner)!!
Ein echtes Festessen nach einem fiesen Morgen.
Tiefes Donnergrollen und Platzregen zerreißen meine Nachtruhe. Dicke Regentropfen begleiten mich, bis ich das triefende Zelt verstaut habe und mit Rondolf in voller Regenmontur wieder oben auf der Straße stehe.
Als ich losfahre, endet der Regen und ich durchnässe meine Kleider von innen.
Erst an der ersten Steigung ziehe ich die Sachen wieder aus. Icb traue dem Wolkentreiben nicht so recht.
Nach dem Mittagessen starte ich einen weiteren Versuch, das Loch in meinem Hinterreifen zu finden. Zwei polnische Kfz-Mechaniker helfen mir bei der Suche. Es sind zwei winzige Löcher und auch das Flicken hilft nichts. Sekunden nach dem ersten Aufpumpen ist wieder keine Luft drin.
Mit dem Ersatzschlauch fahre ich weiter. Noch 45 Kilometer bis zur Grenze.
Dennoch kehre ich bei der ersten ansprechenden Gelegenheit nach nur 15 Kilometern ein. Der Schlafmangel und die Lust auf Rast und eine Dusche machen die Entscheidung leicht. Außerdem wird das Ziehen im linken Knie immer stärker.
huhu chris,
AntwortenLöschenschön zu hören, dass du wieder unterwegs bist! die nacht in diesem nachgebauten dorf hört sich ja schön an. :) hoffe, du kannst dich heute abend erholen und radelst morgen frisch und fröhlich wieder drauflos.