Es ist kurz nach 14 Uhr. Bis 15 Uhr setze ich mir die Frist. Dann checke ich wieder ein und zeige dem Barkeeper, was ein Trabolz ist!
Um kurz nach halb zwei hält ein gelb-rotes Auto vor dem Eingang! Mit offenem Mund starre ich auf den Eingang, schlucke den letzten Pizza-Happen runter und frage die Bedienung: Posta?Posta?? Schulterzucken.
Wie sich kurz darauf herausstellt ist es nur der Gas-Mann, der sich um den Geruch im Keller kümmern soll. Dort riecht es heute nach Klebstoff.
Endlich - um 15:55 Uhr - stiefelt der Postmann in die Rezeption. Aufgeregt werde ich vom Personal herbeigewunken. Eine Unterschrift später ist das Päckchen mein. In Windeseile verstaue ich die Sachen, bedanke mich für die Unterstützung und fahre los.
An dieser Stelle nochmal ein großes Dankeschön an alle, die beim Projekt "Krakau-Päckchen" mitgeholfen haben. Toll, dass es trotz der Umstände geklappt hat!
Als ich mich auf dem Sattel niederlasse sacke ich tief nach unten ein. Der Hinterreifen hat fast keine Luft mehr.
Zeit zum Reifenwechsel habe ich nicht, daher gebe ich bei der nächsten ruhigeren Gelegenheit nur etwas Luft nach. Das muss jetzt einfach halten. Bloß raus hier. Ähnlich wie bei Prag habe ich das Gefühl, dass mich die Stadt nur quälend langsam wieder freigeben mag.
Diesmal bin ich jedoch schon wenige Kilometer weiter auf einem gut ausgebauten Radweg inmitten schönster Auenlandschaft. Viele Radler und Inliner genießen mit mir diesen herrlichen Sonnentag.
Gerade als ich mir die letzten Tage nochmal durch den Kopf gehen lasse, holt mich ein junger Mann ein, schaut zu mir rüber und grüßt mich dermaßen laut, dass ich fast die Spur verliere. Er sieht original aus wie Hägar der Wickinger. Mit dickem roten Rauschebart grinst er mich freundlich an und fragt, woher ich denn komme. Nach erneutem Gruß und den besten Wünschen tritt er wieder kräftig in die Pedalen seines hellblauen Rennrads und sprinntet davon.
Mit einem riesigen Grinsen fahre ich weiter. Wie mir das gefehlt hat! Nach der kurzen Aufwärmphase am Fluss (Wisła) geht's auch schon steil hinauf ins Tatra-Gebirge.
Heute wird wieder gezeltet, beschließe ich und entdecke um kurz vor 18 Uhr ein Schild "mit Zelten drauf". Perfekt, denke ich und folge der Beschilderung bis ins tiefste Getrüpp.
Der "Zeltplatz" erweist sich als originalgetreuer Nachbau einer 3000 Jahre alten Siedlung. Die Hütten sind hübsch anzuschauen. Von Camping jedoch keine Spur.
Nach einer kurzen Unterredung mit dem Platzwart darf ich jedoch mein Zelt zwischen die strohbedeckten Hütten stellen.
Meine erste Nacht als "Freicamper" ist daher sehr romantisch und angenehm. Das einzige Raubtier weit und breit ist die schöne, weiß-grau getiegerte Katze, die auf den Dächern herumturnt. Ihr Miauen lässt den Platzwart und mich laut Schmunzeln. Katzisch funktioniert international und seit einer gefühlten Ewigkeit darf ich wieder mal ein weiches Katzenfell streicheln!
Die Nacht ist trotz der Idylle unruhig. Ab drei Uhr prasseln dicke Regentropfen gegen das Zelt und der Wind zieht an. Am Morgen scheint jedoch wieder die Sonne und es verspricht ein toller Tag zu werden.
Nach einem herzlichen Abschied geht's weiter Richtung Sucha Beskidzka.
Freut mich, dass dich das Päckchen gut erreicht hat. Was war denn alles drinne? :)
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