Schnell lade ich meine Sachen aus dem Zug, denn es wird wieder hektisch: es ist eng, heiß und die ersten Passagiere entern den Zug und blockieren den Ausgang.
Dennoch geht es alles recht glatt über die Bühne. Juri ist begeistert, wie ich auf dem vollen Bahnsteig das Rad packe und knippst laut lachend ein paar Fotos.
Auch ich kann über die Situation wieder lachen. Das wäre also geschafft. Wir erreichen Odessa gut ausgeruht bei bestem Wetter.
Der Bahnhof ist ebenerdig und nach dem Abschied von Juri kann ich gleich weiter ins Zentrum fahren.
Der Verkehr ist massiv, die Straßen wellig und oft mit tiefen Löchern garniert. Ich wurde rechtzeitig vorgewarnt - dennoch ist es in Echt doch was anderes.
Bald darauf erkunde ich auf der Standpromenade die Stadt und sehe zum ersten Mal in meinem Leben das Schwarze Meer. Schön!
Dennoch hält mich hier wenig. Ich habe heute morgen beschlossen, über Land via Mykolajiv zur Krim zu fahren anstatt mit der Fähre rüberzusetzen.
Wie sich herausstellt ein wirklich wahnsinniges Vorhaben, denn die E58 ist hoffnungslos überfüllt und das nächste Hotel ist laut Karte über 80 Kilometer entfernt.
Man könnte meinen, die Stadtbusse werden ausschließlich von Irren gefahren - zweimal werde ich haarscharf geschnitten. Sehr gefährlich. Und sinnlos, denn 50 Meter weiter stehe ich dann wieder vor ihnen, weil sie zwischenzeitlich drei mal anhalten mussten, um Leute ein- oder auszuladen.
Meine Versuche, auf den Bürgersteig auszuweichen werden ebenso gefährlich: Ein- und Ausfahren, hohe Steigkanten und viele Bürger machen die Fahrt dort auch sehr mühsam.
Kurz vor Sykavka gibt es offenbar einen kleinen Waldbrannt und die Straße ist kaum mehr im Rauch zu sehen.
"Das wird mir alles zu bunt", beschließe ich und fahre zurück in die Stadt. Radfahren macht hier überhaupt keine Freude.
In der Innenstadt finde ich schnell ein Hotel, kehre ungeachtet des Preises ein und fühle, dass es die richtige Entscheidung war.
Mein erster Tag in Odessa gibt mir weiter Stoff zum Nachdenken. Mein Hirn hat viel zu denken: Jeder schaut mir nach - ich hoffe im Guten. Oft erkenne ich ein gewisses Blitzen in den Augen. Nicht aggressiv. Magisch. Was steckt hinter der Fassade?
Als ich auf der Straße nach dem Weg zu einem Hotel frage, spüre ich bei jedem Gespräch plötzlich (überraschend) Freundlichkeit und oft echtes Interesse, wie als wenn eine Schale aufbricht. Leider gibt es die übergroße Sprachbarriere.
Morgen erhalte ich an der Hotelrezeption Informationen für "sanftere" Reisemöglichkeiten zur Krim. Es wird entweder mit dem Schiff oder mit dem Bus sein. Das Rad wird es sicher nicht sein, denn ich möchte meinen Geburtstag gesund und heile feiern ;)
Auf der Insel sind einige CPlätze eingezeichnet, weshalb ich Hoffnung habe, dort naturnah und günstig einen Platz an der Sonne zu bekommen.
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