Erste Lebenszeichen nach aufregenden Stunden! Ich bin gut gelandet und hab den ersten Berg intus: Er bestand auf Hammelfleisch und war sehr gut gewuerzt. Die Beine waren dabei auf weichem Teppich bebettet und der Durst wurde mit wunderbarem gruenen Tee gestillt.
Endlich, denn die letzten Tage waren voll belegt mit Sorgen, Taschen umpacken, Taxi organisieren, das Rad sichern und reisefertig machen.
Ich bin hypernervoes, schlafe sehr schlecht und hab vor dem Flug soviel Schiss wie noch nie. Weniger wegen mir sondern wegen Rondolf und der Wertsachen in meinem Gepaeck. Ein dummer Zufall kann mein Reisevorhaben empfindlich stoeren oder gar ganz ins Wasser fallen lassen!
Hoffentlich passiert nichts am Rad, hoffentlich klaut mir keiner was aus den recht leicht zu oeffnenden Taschen.
Mit der Hotel-Waage erziele ich nach einigem Hin- und Herpacken auch ein akzeptables Gesamtgewicht, so dass ich mit wenig - bei kulanter Abfertigugn sogar gar keiner - Nachzahlung rechne.
Im Kaufhaus nebenan finde ich feur kleines Geld Putzlumpen, die sich hervorragend zum Polstern eignen. In der Post erstehe ich kostenfrei 4 Meter Seil. Und das Taxi ist auch bestellt.
Puenktlich um 11:50 Uhr werde ich abgeholt. Leider faehrt aber anstatt des gewuenschten Grossraumtaxis nur ein normales Taxi vor. Ich hatte der Rezeptionistin tausendmal betont, dass ich mein Rad MIT ins Taxi nehmen muss...
Anstatt mich aufzuregen zuecke ich meine Spannseile und bucksiere Rondolf in den Kofferraum. Alles passt und die rucklige Fahrt geht ohne Spuren an uns vorbei.
Die Strecke zum Flughafen ist gewohnt schrecklich, sehr feucht und schmutzig, der Flughafen ist klein, ebenerdig und sehr ueberschaubar. Komme ohne Schwierigkeiten in die Abflughalle.
Ich bin heilfroh, dass ich im Taxi dem Regenwetter entkomme und am Flughafen trocken Fusses meine Verpackung nochmal optimieren kann.
Jedoch erhalte ihc den ersten Schock, als ich mein Gepaeck auf die offizielle Waage lege. Rund 35 Kilo - ohne Fahrrad! Immer wieder ertappe ich mich dabei, wie ich das in EURO umrechne. Dabei ist es jetzt egal. Es wird ein teures Vergnuegen und da muss ich jetzt einfach durch.
Als ich nach dem Ablug schaue und durch die Wartehalle spaziere, spicht mich ein junger Mann auf Deutsch an. Ob ich denn klar komme? "Klar komme ich klar", schiesst es aus mir raus... mir geht es momentan nur etwas auf die Nerven, dass selbst am Flughafen fast keiner Englisch kann.
Da er auch nach Moskau fliegt, koennen wir anschliessend zusammen das Boarding meistern. Die Taschen lasse ich zuvor mit Folie einpacken. Ein netter russischer Flughafenangestellter zieht im Hintergrund die Faeden, damit das Rad sicher an den gewuenschten Flug kommt. Insgesamt muss ich knapp 40 EUR nachzahlen. Alles halb so schlimm.
Der Flug ist kurz. Vor allem auch deshalb, weil ich mich mit Hans sehr gut verstehe und endlich auch wieder mal tiefergehende Gespraeche fuehren kann. Viel Dank dafuer!
In Moskau trennen sich unsere Wege und ich muss mich umstaendlich vom Terminal 2 zum Terminal 1 durchschlagen. Um ein Haar verweigert der Transit-Bus meine Mitnahme, durch meine gewinnende Art komme ich doch noch mit.
Mit den schweren Taschen bepackt warte ich dann vor den Check-In-Schaltern auf die Abfertigung. In der Halle ist die Hoelle los.
Viele Chinesen, die zurueck nach Peking wollen und eine weitere grosse Truppe junger Reisender in roten T-Shirts mit gelbem Ball drauf. Bei naeherem Betrachten erkenne ich die kirgisische Flagge.
Ihre beiden Aufseherinnen haben etwas Muehe, die jungen wilden im Zaum zu halten. Staunend schaue ich dem Treiben zu, waehrend ich Rondolf weiter in Folie huelle.
Das sind also die ersten Kirgisen, die ich in Natura und ganz bewusst sehe. Schoen!
Als die Halle leer ist, habe ich Rondolf optimal in Folie eingehuellt und komme auch (als letzter) an die Reihe.
Lange Minuten vergehen, bis ich meine Boardkarte in der Hand halte. Die junge Dame verschwindet oefter hinter einer Tuer und antwortet mir nach langen Minuten auf meine Frage, ob es Probleme gibt: Das Flugzeug ist ueberbucht, kein Platz mehr frei... ich habe sie auf die BusinessClass "upgegraded".
BusinessClass - nach Bischkek. Stille Freude.
Als ich ins Flugzeug einsteige, laueft im Hintergrund die Nussknackersuite. Ich sitze auf Platz 5E. Es ist wahnsinnig viel Platz. Mir faellt meine Witzelei vom vorherigen Flug ein, wo ich unseren Platz in der BusinessClass "gefunden" hatte.
Kaum habe ich meine Sachen verstaut und Platz genommen, schweb auch schon ein Tablett mit kleinen Glaesern vor mir. Originalton der Stewadess: "Franzoesischer Champagner. Sehr lecker!".
Ich habe echt grosse Muehe, diese Situation zu begreifen: Im breiten Ledersitz der BusinessClass mit einem Champus in der Hand Richtung Bischkek. Dazu Pjotr Iljitsch Tschaikowskis schoene Musik, aktuelle Tageszeitungen, drei Gaenge-Menue, so viel Tomatensaft wie ich moechte! Und dazu ewig viel Platz und einen eigenes Abspielgeraet fuer Filme. Dazu im Nachthimmel das gluehende Lichtgerippe Moskaus. Einfach ergreifend.
Kneif mich mal jemand!
Der Flug nach Bischkek koennte also nich besser verlaufen und ich komme wohlgenaehrt und recht entspannt am Ziel an.
Dort angekommen erhalte ich fuer 70 USD anstandslos ein Visum fuer 30 Tage und richte Rondolf wieder so her, dass ich weiterradeln kann.
Nach wenigen Kilometern sehe ich, wie sich am Horizont der Himmel verdunkelt. Na toll, schmolle ich. Sieht nach Wetterumschwung bzw. Regen aus... Nach jedem Hoehenflug kommt auch wieder eine Landung.
Als ich meinen Kopf etwas hebe, sehe ich die Schneekuppen und erkenne die Silhouette der nahen Berge. Der Anblick ist dermassen ergreifend, dass ich rechts ranfahre und und minutenlang die neue Umgebung einsauge. So gewalltig!
Irgendwann raffe ich mich wieder auf, packe die Taschen zurueck in ihren urspruenglichen Zustand und wechsle Flugzeugkleider gegen Radmontur.
Man hab ich Bock auf Berge!
Kaum gedacht, sehe ich im Augwinkel zwei dick bepackte Radler auf der Strasse an mir vorbeifahren. Ich packe in Ruhe zu Ende, wohlwissend, dass ich das Paar nocheinmal wiedersehe.
Es sind - mal wieder ;) - Waliser, die gerade aus London eingetroffen sind. Gemeinsam radeln wir gemuetlich die 30 Kilometer in die Stadt, halten dabei immer mal Atem und die Raeder an und geniessen die grandiose Aussicht auf die Berge.
Die Temperaturen sind sehr mild, viele Menschen winken uns zu, hupen, schuetteln lachend den Kopf. Ein herzlicher Empfang! Und ein krasser Kontrast zu den schroffen Bergspitzen, auf denen offensichtlich klirrende Kaelte herrscht.
Schnell finden wir eine guenstige Unterkunft bei einem Kirgisen, der englisch spricht und uns eine Jurte in seinem Hinterhof zur Verfuegung stellt. Die Schlafstaette ist guenstig und liegt in einem recht ruhigen Hinterhof mitten in der Stadt.
Bis das Paeckchen aus Deutschland ankommt, werde ich mir hier im Umland die Zeit vertreiben und mich auch langsam an die Hoehe gewohnen.
Heisser Kandidat fuer einen ersten Ausflug:
http://www.kyrgyzstantravel.net/photogallery/ala-archa/ala-archa.htm
Na wenn das mal nicht ein geiler Flug war, oder!!!! Musste echt lachen, wie ich das gelesen habe.....und die Vorstellung, wie Du im breiten Ledersessel mit Deinem Fläschen Tomatensaft sitzt, hammer..;-))))
AntwortenLöschenFreu mich für Dich.
Grüßle
Nicki
Oh Gott, jetzt bist Du ja schon fast in China! Ich bin ganz aufgeregt! Genieß die Seidenstraße (ist sie das noch?) und das Land und die anscheinend sehr netten Leute!
AntwortenLöschenIch genieße zum ersten Mal seit 3 Wochen die Flaschensammler vor dem Fenster... Seufz.
Isch drügg Disch!