Bilder:
http://www.flickr.com/photos/christian-trabold/sets/72157622667674193/
Die heiße Gute-Nacht-Dusche im Hotel macht den Kopf frei und die Beine
schön schwer.
Ich schlafe so gut, dass ich am nächsten Morgen beschließe, noch einen
weiteren Tag hier zu bleiben und die Umgebung des magischen "Emei" zu
erkunden. Überall sind Schilder zu Naturdenkmählern aufgestellt. Um mich
herum sehe ich jedoch nur den grauen Nebel.
Die Entdeckungstour beginnt im nahen Internet-Cafe. Es ist kurz nach 10
Uhr morgens und die Bude ist voll mit Mädels, die Chatten. Aus jeder Ecke
blubbern in kurzen Abständen die typischen Töne der Chat-Programme. Die
Jungens schlafen wohl noch ihren Kampf vom Vorabend aus.
Ein YouthHostel in der Nähe ist schnell gefunden und wenige Minuten später
sitze ich beim Frühstück in Teddybears YouthHostel. Die Atmosphäre ist OK
und das Zimmer mit 2 EUR wesentlich günstiger als das Hotel (10 EUR).
Es ist einiges los und gegen Abend lerne ich Dennis aus Kiel, Ethan aus
USA und seinen jüngeren Bruder aus Israel kennen. Gemeinsam gehen wir auf
"Nightsnacking"-Tour. Eine energiereiche Mahlzeit an einem der vielen
Fritierbuden der Stadt (Bilder:
http://www.flickr.com/photos/christian-trabold/tags/Nightsnacking/).
Bei einem kühlen Abendbier beschließen wir, morgen den Berg Emei gemeinsam
zu besteigen.
Das Wetter ist mild. Dennoch rechne ich mit Schnee auf dem ueber 3000
Meter hohen Gipfel und packe entsprechendes Dämm-Material ein.
Es wird ein anspruchsvoller zwei Tagestripp. Der Weg zum Gipfel besteht
fast durchgehend aus Treppenstufen. Durch das feuchte Wetter ist es an
manchen Stellen sehr rutschig. Trotzdem machen wir genügend Pausen, um die
Landschaft zu genießen, denn die ist einfach unbeschreiblich romantisch,
grün... toll!
Gegen Abend zieht ein Sturm auf und wir sind heilfroh, in einem
buddhistischen Kloster einkehren zu können.
Dort lernen wir Christina aus der Schweiz und Steve aus Hawai kennen. Zu
fünft teilen wir uns ein Zimmer und haben die mit Abstand lustigste Nacht
seit Beginn meiner Reise.
Ethan kommt auf die geistreiche Idee, als Absacker zwei Fläschchen Beijo
(http://en.wikipedia.org/wiki/Baijiu) [JA, ekelhaft!] und Spielkarten zu
kaufen. Der Plan geht auf: nach wenigen Minuten spielen wir Schweizer
Kartenspiele und israelische Kinderspiele. Zwischendurch liegen wir
gekrümmt vor Lachen auf den Betten.
Der Wind drückt am einfachen Holzdach der Hütte und es zieht durch jede
Ritze. Das "eiskalt" der trockenen Wüste wird hier neu definiert:
feuchtkalt zieht es bis auf die Knochen durch. Zum Glück gibt es in den
Betten Heizdecken und so können wir etwas ruhiger Schlafen.
Nach gutem Frühstück (sehr einfach, dennoch / deshalb eines der leckersten
bis jetzt) geht es weiter zum Gipfel. Die Temperatur liegt um die Null Grad
Celcius. Das Wasser an den Pflanzenblättern ist in der Nacht gefrohren. Ein
Paradies für Fotografen!
Mit jedem Höhenmeter wird der Nieselregel eisiger und am Gipfel erwartet
uns ein echtes Schneegestöber. Der Wind ist messerscharf und gespickt mit
Eiskristallen. Die Sicht weit unter 15 Metern. Nach wenigen Minuten
verlieren wir uns auf der Besucherplattform.
Die berühmte goldene Statue ist leider nur schemenhaft zu erkennen. Doch
spürbar ist sie dennoch. Ihre Aura ist beeindruckend und die hunderten
Chinesen um uns herum kurz vergessen.
Vergleich: http://www.flickr.com/photos/christian-trabold/4099728584/ vs.
http://www.flickr.com/photos/birgerhoppe/2129491516/
Schon beim Aufstieg beschließen wir, dass ein Abstieg unter diesen
Bedingungen weniger schön ist. Unsere Schuhe sind durchnässt, die Nase kalt
und im Kopf schwingt nur noch ein Gedanke: Auf in die "Hot Springs" (=heiße
Quellen in Emeishan)!
Die Hot Springs sind toll! Es gibt heißes, sehr heißes und kochend heißes
Wasser, Massage, ja sogar eine Sauna ist vorhanden!
Nach über 6 Monaten Schwimmbad-Abstinenz lasse ich mich hier nach allen
Regeln der Kunst aufquellen.
Der chinesischen Sauna zeige ich den anderen, was ein ordentlicher Aufguss
ist und genieße dann - völlig ausgetrocknet - die anschließende Stunde beim
Knetmeister, wo meine verspannten Radfahrer-Muskeln endlich mal wieder
weichgedrückt werden.
Zum Abschluss suche ich dann nochmal das dampfende Sudbecken auf, wo sich
fast alle Badegäste aufhalten. Bei leichtem Nieselregen stehen hier gut und
gerne 50 Chinesen im heiße Wasser, essen Wurst und / oder Popcorn und
plaudern. Ich bin der einzige Westler. Es ist herrlich!
Beim Ausgang entdecke ich ein "Fish-Therapy"-Becken, in dem ich kurze Zeit
später von hunderten kleinen Fischen an- bzw. abknabbern lasse. Es ist
einfach wunderbar. Selten habe ich so eine innige Naturverbundenheit
erlebt. Leider sind die Chinesen in dieser Hinsicht weit weniger
romantisiert. Nachdem ich tief entspannt im Becken treibe, stürmen vier
chinesische Männer das Becken, quietschen und jauchzen bei jedem
Knabberchen und zerstören somit jede Entspannung. Trotzdem: Auf jeden Fall
mal ausprobieren!
Die Nacht über schlafe ich wie ein Stein und bin am nächsten Morgen wie
ausgewechselt. Es ist Freitag und die anderen verabschieden sich Richtung
Chengdu - und ich bin wieder alleine. Das ist jedes Mal wieder ein
seltsames Gefühl. Nach der heiteren Runde wieder alleine zu sein ist hart.
Ich entschließe nach ewigem Hin und Her, mein Visum anstatt in Leshan in
Chengdu zu erweitern. Die Bearbeitung soll in Leshan zwar binnen zweier
Werktage abgeschlossen sein, aber es ist Wochenende und ich mag eigentlich
weiter ODER die anderen nochmal sehen. Zumal in Chengdu am Sonntag die
Weltmeisterschaft im Computerspielen stattfinden.
Schlaftrunken steige ich Samstag früh in den Schnellbus nach Chengdu und
erreiche nach zwei Stunden die Stadt. Rondolf bleibt im Hostel. In einer
Woche plane ich meine Rückkehr und dann die Weiterfahrt nach Kunming über
Leshan.
Schon bei der Einfahrt in Chengdu fühle ich mich wohl, finde schnell das
Hostel und genieße beim Donut-Frühstück die warme Gastfreundschaft.
Hoffentlich klappt am Montag alles wie geplant!
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