Bilder:
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Die Stadt ist hektisch aufgekratzt - vor allem die Luft kommt mir sehr
viel schmutziger vor, als in allen bisherigen Städten. Sie ist direkt
spürbar, drückt und dampft, legt sich um einen. Wie eine Tiefgarage im
Hochsommer.
Auch akkustisch ist einiges los: es wird wieder gehupt, was die Tröte
hergibt, viele Baustellen lärmen (auch nachts). Da heißt es entweder
"dagegen halten" oder "Öhrstöpsel einlegen".
Mein kurzer (mehrstündiger) Trip vom Ufer durch die Stadt führt mich durch
die Einkaufsmeile im Zentrum. Die Schildergasse in Köln ist dagegen -
selbst am allerallerletzten Samstag vor Weihnachten - ein WITZ. Ich hab
sowas noch nie gesehen und bin froh, als ich wieder draußen bin.
Die U-Bahn ist - vorallem durch den direkten Vergleich mit Hong Kong -
schmerzhaft eng und der Ticket-Kauf unverständlich und umständlich. Warum
einfach, wenn es auch kompliziert geht...
Insgesamt ist alles herrlich chaotisch und mit einer Prise Humor und
Gelassenheit kann ich das für ein paar Tage aushalten. Doch wehe der Magen
knurrt! Daher verbringe ich die restliche Zeit mit der Erkundung
kulinarischen Leckerbissen:
Am Freitag Abend gibt es Seafood. Das Restaurant liegt direkt am
Perlfluss-Ufer und bietet einen guten Einblick in das Nachtleben.
Die Gerichte können nach Wunsch zusammengestellt werden. Dazu geht man mit
der Kellnerin an großen Wasserbecken und Käfigen vorbei und zeigt dann auf
den gewünschten "Inhalt". Von Muscheln, über Seeschlangen bis hin zu
größeren Vögeln ist alles dabei. Als Snack kann man scharf-eingelegte
Skorpione oder Schlangenhälften erhalten.
Am Samstag finden wir unweit vom Ufer ein deutsches Restaurant. Bei einem
guten Maß Bier und deftiger Küche gedenke ich der Momente, als ich mit Noel
in der Wüste diesen Moment herbei gesehnt hatte. Und jetzt bin ich hier,
halte das Maß in der Hand, esse Fleischpflanzerl und Wiener Schnitzel.
Unglaublich.
Sonntags erhalte ich eine weitere Lektion und genieße mittags Gutes aus
der cantonesischen Küche - ein Traum! Das hoch gelobte - weil so
abwechslungsreiche - Essen aus Sichuan
(http://en.wikipedia.org/wiki/Sichuan_cuisine) erscheint mir dagegen recht
plump.
Um Missverständnisse vorzubeugen: Das Essen in Sichuan schmeckt mir sehr
gut! Meist überwiegt dort jedoch die Chilli-Schärfe. Bei den hiesigen
cantonesischen Gerichten wusste ich zum Beispiel gar nicht recht, wo die
Schärfe herkommt. Es ist noch mehr ein Spiel mit den Geschmacksknospen. Ein
Tanz auf der Zunge.
Das Abschiedsmahl: ein kleiner Sushi-Snack.
Das war`s dann aber mit der Völlerei!
Morgen geht`s zurück nach Emeishan und dann über die Berge nach Kunming.
Ich rechne mit eingeschränkter Versorgung und einem extra-harten
Streckenprofil. Die paar Extrapfunde, die ich hier gesammelt habe, werden
dann wohl wieder dahinschmelzen.
Ein weiterer Vorteil einer Radreise: man kann völlig ungeniert über die
Stränge schlagen, sofern man die Kalorien danach wieder auf der Straße
ablegt.
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