Zwei Tagesetappen plane ich für Luang Namtha nach Huay Xai. Am ersten Tag geht es locker flockig die rund 60 Kilometer durch sanfte
Hügel nach Vieng Phoukha. Dort kehre ich gegen 17 Uhr hübsch angeschwitzt
in einem schönen Guesthouse unter und genieße bei offenem Fenster die
Abendstimmung auf meiner Holzterasse. Vom Hügel hat man einen tollen
Überblick auf das Dorf. Der nächste Tag startet mit einem grandiosen Frühstück: 4 Spiegeleier mit
Speck, 4 Marmeladenbrote und viel Tee. Hochmotiviert trete ich die nächste Etappe an: Heute geht es über 120
durch die Berge. Der erste Anstieg geht nach 20 Kilometern los und
überwindet gut 400 Höhenmeter. Dann folgen bei Kilometer 60 und 80 mehrere
Wellen mit zwei beeindruckenden Spitzen von nochmal je 200 bis 300
Höhenmetern. Das Streckenprofil ist auf der Landkarte schon beeindruckend. In der
Praxis ist das aber nochmal beeindruckender, denn es geht ständig bergauf
und bergab und auch die kleinen Hügel zwischendurch summieren sich. In jedem Dorf werde ich frenetisch empfangen und fühle mich kurzzeitig
groß wie ein Rockstar. Wie schön! Ich fahre meist langsam durch die Dörfer, denn sie liegen entweder am Ende
in der Talsenke oder auf dem Gipfel. Schon lange vor meiner Ankunft schallt schon von überall "Sabei-Dii!". Mit
der Sonne kommt im Matsch-Kopf irgendwann nur noch Schallbrei an. Mit der
Zeit wird mir das Gejubel auch wieder zuviel. Manche Kinder wollen mich
anhalten - in meinem Zustand eine seeehr schlechte Idee. Irgendwann nervt es dann doch. Trotzdem versuche ich sooft wie möglich zu
lächeln oder wenigstens zu winken, obwohl mir hundeelend zumute ist. Nach
einiger Zeit spüre ich die trockene Kehle kaum noch. Alles brennt. Dann
wechselt der Straßenbelag auch noch von OK zu sehr schlecht. Bei Kilometer 65 packt mich der Ehrgeiz / Wahnsinn, am Berg mit dem
heranschleichenden thailändischen LKW ein kleines Wettrennen zu
veranstalten. Das Rennen gewinne ich, aber danach verliere ich auf voller
Strecke. Die Beine werden immer schwerer und am letzten Hügel schiebe ich. Obwohl ich Gänseschritte mache pocht es mit jedem Schritt mehr in meinem
Kopf. Der ganze Kopf besteht nur noch aus Adern - von Gehirn keine Spur -
und ich denke nur: wenn jetzt da oben ein Äderchen platzt! Wer macht die
Sauerei dann weg? Die Straße schraubt sich immer weiter um den Berg. Kurz vor dem Gipfel
fahre ich links auf eine kleine Feldfläche und falle vor Erschöpfung ins
Gras. Auch die sonst so erfolgreiche Injektion von Sprite hilft nicht weiter. Es
ist zuviel. Ich mache eine längere Pause und versuche die Aussicht mit
romantischem Grillengezirpe zu genießen. Das Endziel werde ich wohl wieder
im Dunkeln erreichen. Wie lange ich da sitze weiß ich nicht mehr. Einige Mofafahrer fahren
vorbei und jubeln mir zu. Wow tut das gut! Und plötzlich rolle ich wieder
bis es endlich bergab geht. Bei der Abfahrt holen mich die Endorphine ein und ein Urschrei entspringt.
Mit hochgerissenen Armen rase ich die Steigung runter. So was hartes habe
ich seit Kirgistan nicht mehr erlebt! Die Straße ist wieder super. Ein paar versteckte Bodenwellen machen aber
auch die Abfahrt riskant. Ein total verbeulter LKW im Graben in einer engen
Kurve holt mich schlagartig wieder auf den Boden zurück. Sieht übel aus. Im nächsten Dorf sehe ich zwei Backpacker am Straßenrand sitzen. Ich halte
an und starte einen kleinen Plausch. Sie kommen aus Italien und warten auf
den Bus, der jeden Moment eintreffen soll. Und so ist es: als ich mich
umdrehe fährt auch schon der Pick-Up-Bus an. Die Fahrt kostet umgerechnet 80 Cent. Kurzentschlossen springe ich auf und
fahre die letzten 40 Kilometer zusammen mit Rondolf auf der Ladefläche mit
(die beiden anderen sitzen vorne beim Fahrer). Die warme Abendluft tut gut und ich schaue faziniert dem Landleben zu.
Mein Tunnelblick hatte diesen schönen Anblicke leider zu sehr verschleiert.
Ab und zu wecken mich Krämpfe in den Beinen aus meinen Tagträumen und ich
versuche so gut es geht auf der engen Fläche zu dehnen. Ansonsten macht es
einfach nur Spaß so der Sonne entgegen zu fahren. Glücklich und sehr erleichtert komme ich in Huay Xai an. Es ist noch hell
und ich finde etwas ab vom Touristenzentrum ein gutes Guesthouse. Der
Herbergsvater empfiehlt mir sein laotische Lieblingsrestant, wo ich mit
sehr leckerer Suppe Elektrolyte nachtanke. Morgen lege ich einen Ruhetag ein und kümmere mich um die Weiterfahrt nach
Luang Prabang. Bilder:
Hügel nach Vieng Phoukha. Dort kehre ich gegen 17 Uhr hübsch angeschwitzt
in einem schönen Guesthouse unter und genieße bei offenem Fenster die
Abendstimmung auf meiner Holzterasse. Vom Hügel hat man einen tollen
Überblick auf das Dorf. Der nächste Tag startet mit einem grandiosen Frühstück: 4 Spiegeleier mit
Speck, 4 Marmeladenbrote und viel Tee. Hochmotiviert trete ich die nächste Etappe an: Heute geht es über 120
durch die Berge. Der erste Anstieg geht nach 20 Kilometern los und
überwindet gut 400 Höhenmeter. Dann folgen bei Kilometer 60 und 80 mehrere
Wellen mit zwei beeindruckenden Spitzen von nochmal je 200 bis 300
Höhenmetern. Das Streckenprofil ist auf der Landkarte schon beeindruckend. In der
Praxis ist das aber nochmal beeindruckender, denn es geht ständig bergauf
und bergab und auch die kleinen Hügel zwischendurch summieren sich. In jedem Dorf werde ich frenetisch empfangen und fühle mich kurzzeitig
groß wie ein Rockstar. Wie schön! Ich fahre meist langsam durch die Dörfer, denn sie liegen entweder am Ende
in der Talsenke oder auf dem Gipfel. Schon lange vor meiner Ankunft schallt schon von überall "Sabei-Dii!". Mit
der Sonne kommt im Matsch-Kopf irgendwann nur noch Schallbrei an. Mit der
Zeit wird mir das Gejubel auch wieder zuviel. Manche Kinder wollen mich
anhalten - in meinem Zustand eine seeehr schlechte Idee. Irgendwann nervt es dann doch. Trotzdem versuche ich sooft wie möglich zu
lächeln oder wenigstens zu winken, obwohl mir hundeelend zumute ist. Nach
einiger Zeit spüre ich die trockene Kehle kaum noch. Alles brennt. Dann
wechselt der Straßenbelag auch noch von OK zu sehr schlecht. Bei Kilometer 65 packt mich der Ehrgeiz / Wahnsinn, am Berg mit dem
heranschleichenden thailändischen LKW ein kleines Wettrennen zu
veranstalten. Das Rennen gewinne ich, aber danach verliere ich auf voller
Strecke. Die Beine werden immer schwerer und am letzten Hügel schiebe ich. Obwohl ich Gänseschritte mache pocht es mit jedem Schritt mehr in meinem
Kopf. Der ganze Kopf besteht nur noch aus Adern - von Gehirn keine Spur -
und ich denke nur: wenn jetzt da oben ein Äderchen platzt! Wer macht die
Sauerei dann weg? Die Straße schraubt sich immer weiter um den Berg. Kurz vor dem Gipfel
fahre ich links auf eine kleine Feldfläche und falle vor Erschöpfung ins
Gras. Auch die sonst so erfolgreiche Injektion von Sprite hilft nicht weiter. Es
ist zuviel. Ich mache eine längere Pause und versuche die Aussicht mit
romantischem Grillengezirpe zu genießen. Das Endziel werde ich wohl wieder
im Dunkeln erreichen. Wie lange ich da sitze weiß ich nicht mehr. Einige Mofafahrer fahren
vorbei und jubeln mir zu. Wow tut das gut! Und plötzlich rolle ich wieder
bis es endlich bergab geht. Bei der Abfahrt holen mich die Endorphine ein und ein Urschrei entspringt.
Mit hochgerissenen Armen rase ich die Steigung runter. So was hartes habe
ich seit Kirgistan nicht mehr erlebt! Die Straße ist wieder super. Ein paar versteckte Bodenwellen machen aber
auch die Abfahrt riskant. Ein total verbeulter LKW im Graben in einer engen
Kurve holt mich schlagartig wieder auf den Boden zurück. Sieht übel aus. Im nächsten Dorf sehe ich zwei Backpacker am Straßenrand sitzen. Ich halte
an und starte einen kleinen Plausch. Sie kommen aus Italien und warten auf
den Bus, der jeden Moment eintreffen soll. Und so ist es: als ich mich
umdrehe fährt auch schon der Pick-Up-Bus an. Die Fahrt kostet umgerechnet 80 Cent. Kurzentschlossen springe ich auf und
fahre die letzten 40 Kilometer zusammen mit Rondolf auf der Ladefläche mit
(die beiden anderen sitzen vorne beim Fahrer). Die warme Abendluft tut gut und ich schaue faziniert dem Landleben zu.
Mein Tunnelblick hatte diesen schönen Anblicke leider zu sehr verschleiert.
Ab und zu wecken mich Krämpfe in den Beinen aus meinen Tagträumen und ich
versuche so gut es geht auf der engen Fläche zu dehnen. Ansonsten macht es
einfach nur Spaß so der Sonne entgegen zu fahren. Glücklich und sehr erleichtert komme ich in Huay Xai an. Es ist noch hell
und ich finde etwas ab vom Touristenzentrum ein gutes Guesthouse. Der
Herbergsvater empfiehlt mir sein laotische Lieblingsrestant, wo ich mit
sehr leckerer Suppe Elektrolyte nachtanke. Morgen lege ich einen Ruhetag ein und kümmere mich um die Weiterfahrt nach
Luang Prabang. Bilder:
oooh, was für schöne bilder! und glückwunsch zum berg-bezwang! super!!! :-) das sieht jetzt so richtig nach urlaub aus da ... ich bin etwas neidisch!
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